Ganzkornanlage mit Mühle — ein easyE4-Projekt, komplett mit KI umgesetztDie AnlageEine landwirtschaftliche Ganzkornanlage mit eigener Mühle: Getreide kommt über die Annahmegosse, läuft über Vorreiniger, Überhebeschnecke und Becherelevator zur Wende-Trogschnecke und wird — je nach Drehrohrstellung — in die GK-Silos oder das alte Getreidesilo verteilt. Unabhängig davon fordert eine Fütterungsanlage Schrot an: Dann öffnet die Klappe des gewählten Silos, die Zufuhrschnecke beschickt die Mühle, und ein Lastregler hält den Mühlenstrom konstant am Arbeitspunkt.
Gesteuert wird das von einer easyE4 (Generation 08) mit acht Erweiterungen, einem Modbus-RTU-Master als reinem Lese-Bus (vier Frequenzumrichter, zwei Energiezähler) und einem 10-Zoll-Touchpanel mit der easySoft-8-Web-Visualisierung; an der Gosse hängt zusätzlich ein easyE RTD Advanced als zweite Bedienstelle.
Das Besondere: der Weg dorthinDas komplette Projekt — Softwarearchitektur, alle Abläufe, sämtliche Anwenderbausteine, die Web-Visualisierung und die gesamte Dokumentation — ist in Zusammenarbeit mit einer KI entstanden: Claude Code von Anthropic.
Weil das .e80-Format proprietär ist, kann die KI nicht direkt ins Projekt schreiben. Der Workflow ist deshalb dokumentgetrieben:
- Die KI pflegt ein Versionsarchiv mit der Architektur, einem netzwerkgenauen FUP-Bauplan — für jedes der inzwischen 138 Netzwerke stehen dort Gatterbaum, Bausteine, Parameter und Pinlisten — und 18 ST-Anwenderbausteinen als einfügefertigen Quelldateien (Antriebsbausteine mit eigener Störverriegelung und Bereit-Entprellung, Schrittketten für Befüllung und Entnahme, die Sollwert-Priorisierung der Lastregelung, zuletzt ein sekundengenauer Betriebsstundenzähler).
- Der Mensch klickt das in easySoft nach — und bleibt damit verantwortlich für jedes Netzwerk.
- Danach wird das Projekt als PDF exportiert und die KI liest den Export gegen den Bauplan zurück: Pinbelegungen, Kontakt-Negationen, Netzwerkzählung. Dieser Gegencheck hat real Fehler gefunden — einen vergessenen Anschluss beim Nachklicken ebenso wie einmal einen Fehler in der KI-eigenen Vorgabe.
Dazu kommen systematische Reviews: Vor der Inbetriebnahme haben mehrere unabhängig angesetzte Prüfdurchläufe das Programm auf Betriebsszenarien abgeklopft — Netzausfall in jedem Anlagenzustand, Störungen mitten im Ablauf, Doppelbedienung von zwei Bedienstellen. Die bestätigten Funde wurden als priorisierte Maßnahmenliste abgearbeitet und anschließend wieder gegen den Export verifiziert.
Die Web-Visu: vom Designer-Prototyp zum ImportDie Visualisierung entstand zweistufig. Zuerst wurde mit Claude Design ein interaktiver HTML-Prototyp gebaut — Layout, Farben, Zustände, Bedienlogik, abgestimmt mit dem Betreiber. Anschließend hat Claude Code einen Generator geschrieben, der daraus direkt die
project.json im Format des easySoft-8-Web-Editors erzeugt: importieren, übertragen, fertig. 17 Masken, rund 170 generierte Grafiken, kein einziges Widget von Hand geklickt.
Der Generator prüft vor jedem Lauf automatisch Seitenverweise, Objektgrenzen, Textüberlappungen und Operandenkonflikte über alle Masken.
Was das im Alltag bedeutet, zeigte sich nach der Inbetriebnahme: Der Betreiber wünschte sich die Bedienung
deutlich besser lesbarer (größere Schriften, ettc.). Statt tagelanger Klickarbeit im Editor war das eine Neuvermessung aller Masken per Generatorlauf — ca. 15 min Aufwand, inklusive Prüfläufen. Eine Woche später kamen Betriebsstundenzähler für alle neun Motoren dazu: Baustein, drei FUP-Netzwerke, eine neue Service-Maske mit Reset-Funktion und die fortgeschriebene Dokumentation innerhalb einer Stunde gebaut.
Inbetriebnahme und BetriebDie IBN lief nach der von der KI mitgeschriebenen Checkliste: Simulation am Schreibtisch (das Programm hat einen eigenen Simulationsmodus samt Drehrohr-Simulation für die Verteiler-IBN), dann die Abnahmetests an der Anlage — gestaffelte Anläufe, Not-Halt-Pfade, Modbus-Notbetrieb, Silowechsel. Bei Störungen versendet die Steuerung heute über die AL-Bausteine E-Mails mit den Einzelursachen als eingebetteten Operandenwerten; im Schaltschrank liegt eine komplette Begleitmappe von der Klemmenbelegung bis zum Wartungsplan — ebenfalls generiert.
Zahlen- FUP-Netzwerke: 138 (netzwerkgenau dokumentiert)
- ST-Anwenderbausteine: 18 Typen, 47 Instanzen
- Web-Visu: 17 Masken, ~170 generierte Grafiken, importfertige project.json
- Meldeliste: 20 Einzelursachen + E-Mail-Alarmierung
- Modbus RTU: 6 Slaves, reiner Lese-Bus
- Dokumentation: Architektur, Bauplan, Merkerliste, I/O-Belegung, IBN-Checkliste, Schaltschrankmappe
FazitDie KI ersetzt keinen Programmierer — geklickt, getestet und verantwortet wird am Gerät, und jede Änderung durchläuft den Export-Gegencheck. Aber sie verschiebt massiv, wofür die Zeit draufgeht: Statt Doku zu schreiben, Masken zu klicken und Checklisten zu pflegen, diskutiert man Abläufe, fährt Tests und trifft Entscheidungen. Für ein Ein-Personen-Projekt dieser Größe war das der Unterschied zwischen „irgendwann" und „in Betrieb".
Weitere Fragen gerne hier im Thread ...
Gruß
Thomas